Wahlwerbespots: Stereotypenduell

Ungewöhnlich auf sich aufmerksam machen – das wollen alle Parteien. Die Rezeption des einen oder anderen Spots ist dabei auch nach den Wahlen aufschlussreich: Im Kampf um die Aufmerksamkeit entstehen einige witzige, auch skurrile, sinnlose, oft stereotype Bilder, die teilweise auch rassistische und sexistische Bezüge nicht scheuen. Manchmal lohnt ein Rückblick, um zu sehen, was man unbedingt vermeiden sollte. Ein Auszug. 

SPD Frankfurt: Sauerei im Kuhstall 

Plakativ und extrem sexistisch ist der Kino-Comic-Spot der SPD Frankfurt aus dem Jahr 2006, der vor allem Nichtwähler ansprechen sollte: Um einen Bullen für sich zu interessieren, präsentiert eine Kuh verschiedenfarbige Reizwäsche – nachdem es mit schwarzer und grün-gelber Garnitur nicht geklappt hat, wählt sie die rote Reizwäsche. Und schon geht`s los. Tiersex als Wahlwerbung? Ziemlich übel. Dennoch (oder deswegen) konnte die SPD Frankfurt laut Heise über 380.000 Besucher auf ihrer Webseite verzeichnen.

FDP: Blondinenflirt mit der Zweitstimme

Auch die FDP setzte zur Bundestagswahl 2005 auf das Klischee, dass Blondinen mit den blödesten Sprüchen herumzubekommen sind: „Wollen wir gemeinsam Deutschland erneuern?“ Nein danke. 

Wie im Wilden Westen: „Wir sind die Roten“

Nicht Frauen, sondern Indianer – oder eben, durch die bildhafte Übertragung impliziert: „die Rothäute“ – nahm die PDS für ihren Spot „Wir sind die Roten“ in Anspruch. Realisiert wurde der zweifelhafte Mini-Western von der Agentur Trialon: Eine sympathische indianische Familie vor ihrem Tipi wird von brutalen Cowboys mit dem Revolver bedroht. Zu einer Melodie, die stark an eine Billig-Variante von Ennio Morricone erinnert, reiten dann die fahnetragenden Linken auf dem Berg ein, zwingen die bösen Cowboys zum Abzug und stilisieren sich so zum Beschützer der Benachteiligten.

Heile Welt

Bei den Grünen konnten wir bis dato (zum Glück) keine rassistischen/sexistischen Anspielungen entdecken, Klischees werden jedoch auch hier massiv aufgefahren. Heile Welt zum Beispiel in dem trashig-bunten Spot der Bundestagswahlen 1990: 

CDU: Traum vom Neger-Sklaven

1957 demonstriert die CDU „Herr Schmitz“ als deutschen Prototypen, der die Zeit der Entbehrungen durch den deutschen Aufschwung mit Adenauer hinter sich gebracht hat und nun mit Schmerbauch und Zigarre einem exklusiven Lebensstil frönt. In Minute 0:55 lässt sich der dicke Schmitz im Kolonialstil von einem schwarzen Bediensteten servieren. Damit alles so schön bleibt, solle er doch bitteschön seine Stimme für Adenauer abgeben. 

CDU: Beziehungsstress

Einen sehr leisen Spot, der ohne Kampfgebrüll, Ironie und übertriebenes Negative-Bashing auskommt, hat wider Erwarten auch die CDU produziert und stellt den personalisierten Vertrauensverlust in Rot-Grün in den Vordergrund des Hochglanz-Spots. Dennoch ist auch dieses Wahlkampf-Erzeugnis inhaltlich fragwürdig und extrem austauschbar – und letzten Endes ebenso verzichtbar wie alle anderen Spots.

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