Schlagwort-Archive: Wahlkampfspot

Die Schweizer haben’s erfunden

Ohne viel Taraaa zeigt uns die schweizer FDP, wie man den Internetwahlkampf im Jahre 2009 sinnvoll gestalten kann. Dabei geht es der FDP weniger um aufgemotzte Animationsfilmchen und das Heruntermachen von Kandidaten anderer Parteien. Klar und geradeheraus werden Themen angesprochen, die der FDP in Luzern wichtig sind. Ein Kandidat ist uns dabei besonders aufgefallen: Marco Fischer, ein 29 jähriger Jurist, der sich als Vertreter der jungen Generation Luzerns sieht.

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Donnerlittchen, die DVU hat den Europawahlkampf eröffnet

Bald sind Wahlen und das hat auch die DVU erkannt. Pünktlich zur Europawahl bringt sie ihren Wahlwerbespot heraus: „Vielfalt ist Stärke“, „Kulturen sind Reichtum“, „Freie Entfaltung“, „Persönlichkeit achten“! Donnerlittchen, das sind ja ganz neue Töne des Deutschen Vereins Unterbelichteter, die sich jetzt „Die Neue Rechte“ schimpft. Doch schon ein paar Sekunden später weiß man dann auch, dass kein neuer Wind die durch die letzten Windungen der DVU-Gehirne weht: Natürlich gelte dies nur für einzelne Völker, die zwar Bleiberecht in Europa haben (danke) jedoch nicht zur Europäischen Union zusammengefasst werden dürften. So soll Spanien spanisch bleiben, Frankreich französisch und, wer hätte es nicht schon geahnt, Deutschland natürlich das Land der Deutschen. „Die EU schaltet gleich“ (was die DVU ja eigentlich nicht stören dürfte) und muss deshalb abgeschafft werden. Die Pflicht der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten, jegliche Wahlwerbevideos ausstrahlen zu müssen, wird uns wohl den ein oder anderen Spot der DVU vor dem Blockbuster in die Wohnzimmer zwingen.


Die DVU hat jetzt auch eine fesche Internetseite, mit der sie all die Sympathisanten erreichen, die wenigstens lesen und schreiben können. Wie die genau aussehen, kann man in einem wirklich schönen Wahlvideo sehen:

Virale Spielchen: Professionalisierung des Polit-Marketings

Statt sprechender Köpfe schicken die Parteien nun auch animierte Witzfiguren ins Rennen um die Aufmerksamkeit. Und es gelingt: Virale Videos wie die desaströse Raserei von Saarlands amtierendem Ministerpräsident Peter Müller (CDU) und Linksparteichef Oskar Lafontaine werden tausende Male – bis dato 18.000 Mal – geklickt und weiterverschickt.

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Die Wahlkampflektion wird hier per Anschauungsunterricht vermittelt: Während Müller und Lafontaine sich mit ihren Autos und schmutzigen Tricks ohne Rücksicht auf Materialverlust ein Wettrennen liefern, wird am Ende des Spots der Erlöser vor dem Weltuntergang präsentiert: „Bevor es kracht, muss Schluss sein mit dieser Raserei. Nur Heiko Maas steht für diesen Neuanfang“. Metapher und Aktion statt konkrete Aussagen, verständlich und einprägsam das Fazit.

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Vom Produkt zur Story

Der Spot der SPD ist ein Beispiel für eine „Professionalisierung“ der politischen Kommunikation – die Wahlkampfwerbung orientiert sich immer stärker am kommerziellen Werbestil. Was letzten Endes nicht verwundert, da die Parteien von renommierten Werbeagenturen durch den Wahlkampf geleitet werden, die andernorts routiniert Produkte und Unternehmen bewerben. So zeichnet sich die Evolution der Werbelandschaft – von dem Produkt im Mittelpunkt der Kommunikation bis zur Verdrängung von Materie durch Storytelling – auch im politischen Sektor ab. Ob es also um den neuen Audi-Spot geht, bei dem ein Mann auf Carving-Skiern durch San Francisco rast oder um den Konkurrenzkampf der politischen Kontrahenten: Konkretisiert wird das, um was es eigentlich geht, erst am Schluss. Oder auch: Von hinten durch die Brust ins Auge.

Die Übertragung von Marketingstrategien in die politische Arena mag zwar für einen höheren Unterhaltungswert beim Publikum sorgen. Am Ende wird jedoch bestätigt, was nicht unbedingt wünschenswert ist: Wer die emotional überzeugende Geschichte vorzuweisen hat, gewinnt – abseits jeglicher Argumente. Ob Waschmittel oder politischer Kandidat – beide erscheinen letzten Endes (bewertet man nur auf Basis von Wahlkampfwerbung) völlig austauschbar.

Sonja