Archiv der Kategorie: Veranstaltungen

Piraten kapern Reichstagsufer

In Form einer „Kaperung des Reichstagsufers“ hat am vergangenen Wochenende die Piratenpartei zum Wahlkampfauftakt geladen. Mit einem kleinen, aber wendigen Schnellboot wurde zwischen Museumsinsel und Reichstag auf der Spree gekreuzt und über Megafon aus dem Grundgesetz zitiert. „Nur für den Fall, dass die Piratenpartei bei der Bundestagswahl weniger als die absolute Mehrheit erhalten sollte, möchten wir auch die Politiker anderer Parteien daran erinnern, was da drin steht“ erklärte Florian Bischof, Spitzenkandidat der Landesliste Berlin, die Aktion. Wahlkampfarena hat am Freitag die Presseaktion der Piratenpartei fotografisch und über Twitter begleitet. Hier eine kurze Zusammenfassung in zwei Bildern:

Piratenschiff mit Mannschaft

Florian Bischof und das Piratenschiff mit Crew

Im Gespräch mit Florian Bischof sowie anderen Piraten wurde deutlich, dass ein erfolgreiches Abschneiden bei der Bundestagswahl im wesentlichen davon abhängt, ob sie es schaffen, ihre Inhalte jenseits des Netzes bekannt zu machen. Grade die Tatsache, dass von Seiten der Piraten nicht versucht wird, die Komplexität ihrer Thematiken, beispielsweise in Bezug auf alternative Verwertungsformen und Entlohnung von Kulturschaffenden, zu leugnen, hebt sie von anderen Parteien ab und macht sie sympathisch. Allerdings wird darin wohl auch eine entscheidende Herausforderung für die Inhaltvermittlung jenseits des Netzes liegen.

Reichstagufer

Beschallung des Reichstagufer mit Zitaten aus dem Grundgesetz

Das Piratenschiff erinnerte eher an die Boote, der verzweifelten Piratenbanden an der somalischen Küste, als an die verklärten Schiffe der Freibeuter in der Karibik. Das heiße Wetter und die Vorfolgung durch ein Polizeischiff komplettierte die Szenerie.

Mehr Fotos http://www.flickr.com/photos/cbmd/sets/72157621984914172/

Advertisements

Kreativer Protest: Grundgesetz-Lesung

„Eine Zensur findet nicht statt“ und andere Passagen klangen am Samstag zum 60. Geburtstag des Grundgesetzes neben dem Berliner Hauptbahnhof aus ca. 200 bis 300 Kehlen. Die Grundgesetz-Lesung sollte auf die Auswirkungen von datenbezogenen Gesetzen auf die Bürgerrechte aufmerksam machen. Die kreative Aktion flankierte die Petition der Berlinerin Franziska Heine zur Webseiten-Sperrung im Zuge des Kinderpornografie-Gesetzes, die nach der Unterstützung durch über 90.000 Stimmen zur öffentlichen Anhörung am 27. Mai in den Petitionsausschuss des Bundestages geladen wird.

Grundgesetz-Lesung

Franziska Heine auf der Grundgesetz-Lesung

Die Aktion reiht sich in andere kreative Versammlungen ein, bei denen Unbekannte sich online zum gemeinsamen Happening verabreden und sich nach der temporären Vereinigung blitzartig wieder auflösen. Um einen Flashmob – bei dem Jugendliche konzertiert McDonalds-Filialen stürmen oder beim „Freeze“ auf dem Alexanderplatz gleichzeitig erstarren – handelt es sich bei diesem medienwirksamen Protest aber nicht. Zur  Ehrenrettung der massenhaften Intelligenz schreitet hier der große Bruder des Flashmobs: der Smartmob. Wo der Flashmob schlicht Aufmerksamkeit mobilisieren möchte und sich dann aus dem Staub macht, hofft der Smartmob (bei Benutzung derselben Mittel) auf nachhaltige Wirkung. Das Phänomen, dass sich fremde Menschen mit einem gemeinsamen Ziel durch neue Kommunikationstechnologie zu Aktionen verabreden, beschrieb der Medientheoretiker Howard Rheingold 2002 in “Smart Mobs: The Next Social Revolution”. Und tatsächlich: die smarte Variante wird bei vielen sozial- und globalisierungskritischen Aktionen eingesetzt und 2001 hatten per SMS koordinierte Smartmobber gar durch Blitzdemos zum Sturz des philippinischen Präsidenten Estrada beigetragen – überall wo der korruptionsverdächtige Politiker auftauchte, protestierten in Windeseile auch schwarz gekleidete Demonstranten.

Die Grundgesetz-Lesung in Berlin ist auf einen Aufruf auf dem Blog von MOGIS (MissbrauchsOpfer gegen InternetSperren) zurückzuführen und konnte über ein Wiki bundesweite Versammlungen initiieren. Mit Schildern und Grundgesetz bewaffnet trafen sich die Teilnehmer der Lesung, blätterten in ihren Gesetzen, sollten murmelnd lesen oder „Die Gedanken sind frei“ singen, kurze Zeit erstarren, um dann im Sprechchor  Artikel 1, 5, 8, 10 und 19 GG vorzulesen.

Sonja

Townhall Meeting: Fragen an Frau Merkel?

 In der kommenden Woche (17. Mai ab 21:45 Uhr) inszeniert RTL ein mediales Townhall Meeting: Bei dem Treffen mit Angela Merkel können 100 Bürger/innen der Kanzlerin Fragen stellen. Um eine Einladung zur Sendung zu erhalten, sollen alle Interessierten ihre Fragen an Frau Merkel schnellstmöglich per Mail (4949@rtl.de) oder Videobotschaft an RTL senden, erklären wer sie sind, in welcher Situation sie sich gerade befinden und wieso sie die Kanzlerin treffen möchten. 

Townhallmeeting RTL

 

Was bisher geschah: Politcamp09

Das Politcamp09 ist vorbei und es stellt sich die Frage, welche Erkenntnisse aus dem Barcamp im Radialsystem V gezogen werden konnten. Hier unsere subjektive Zusammenfassung des Wochenendes, die auch einige Implikationen für unser Projekt enthielt:

Testing der Wahlkampfarena

Nach Problemen mit dem Internetzugang (was nach der re:publica `09 langsam zur Tradition wird), konnten wir die Baby-Betavariante der Wahlkampfarena in einer Session am Samstag letztendlich doch live vorstellen und durchtesten. Die Wahlkampfarena ist eine auf freitag.de lokalisierte politische Debattierplattform, bei der Politiker und Politikinteressierte Fragen generieren, bewerten und mit Pro- und Contra-Argumenten debattieren können. Wöchentlich wird eine Frage, die Freitagsfrage, welche die meisten Debattenteilnehmer für relevant halten, prominent diskutiert. Unser Ziel war es, einen Dialog auf Augenhöhe zu schaffen, bei dem der politischen Einweg- und Wahlkampfkommunikation eine inhaltliche Debatte gegenübergestellt wird. Wir hatten das Glück, bei der Session auf sehr interessierte, aktive Zuhörer mit vielen Fragen zu stoßen, die uns wichtiges Feedback gegeben haben. Impressionen des Publikums finden sich zum Beispiel auf dem Blog der Wahlschlepper  oder bei Patrick Jedamzik. Diskutiert wurde unter anderem die Entscheidung, sich bei der Kennzeichnung der Parteisympathisierung sowie der statistischen Darstellung des Meinungsklimas nur auf die großen Parteien zu konzentrieren (was auch bei uns im Vorfeld sehr intensiv diskutiert wurde und letztendlich aufgrund der Übersichtlichkeit und der Relevanz für die Wahlen geschah). Auch eine Öffnung nach außen gegenüber Blogs und sozialen Netzwerken in Form von Widgets, die beabsichtigt, jedoch bisher noch nicht umgesetzt werden konnte, fand Unterstützung. Demnächst wird die Wahlkampfarena in der Beta-Phase dann offiziell gelauncht und wir sind gespannt auf Euer Feedback!

Testing des Facebook-Games

Im Rahmen der Session „Facebook im Wahlkampf sinnvoll einsetzen“ von Oliver Zeisberger, bei der in Co-Produktion mit allen Interessierten ein Zehn-Punkte-Plan für den politischen Einsatz von Facebook aufgestellt wurde, konnte Sven am Sonntag dann noch das Facebook-Game „Bundesregierung 2.0“ vorstellen. Was in Bewegtbild ab Minute 30 manchmal etwas kompliziert klingt, ist im Zusammenhang mit der Wahlkampfarena erklärt, ein ganz simples Prinzip: Über das Facebook-Game öffnet sich die Wahlkampfarena gegenüber dem sozialen Netzwerk und setzt auf einen spielerischen Zugang zu Politik. Jeder kann sich aus seiner Freundesliste bei Facebook ein Kabinett zusammenstellen, die Schlagkräftigkeit der Regierung resultiert aus der Beliebtheit der einzelnen ernannten Minister (Wie oft wird jemand von anderen für ein bestimmtes Amt vorgeschlagen?) sowie aus der möglichst korrekten Vorhersage, wie die Pro- und Contra-Stimmanteile für die Freitagsfrage der Woche aussehen, die jeder Minister wöchentlich treffen kann. Das Facebook-Game kann ebenso wie die WKA in Kürze online getestet werden.

Das Barcamp-Prinzip

Das Barcamp-Prinzip ist eine Wundertüte, die die Teilnehmer zwingt, zur morgendlichen Abstimmung zu erscheinen, um über das Programm abzustimmen und nicht die wichtigsten Sessions zu verpassen. Mit den Programmen für Samstag und Sonntag wurde eine Vielfalt von Themen abgedeckt. Was sich dahinter verbarg, wurde teilweise erst vor Ort greifbar. Mit drei Sessions sehr dominant vertreten war Oliver Zeisberger von der Web-Agentur Barracuda, der Thorsten Schäfer-Gümbel und die hessische SPD im Wahlkampf begleitet hatte, und unter anderem die TSG-Strategie vorstellte, was durch den Vortrag von den Koch-Unterstützern des Webcamp09 ergänzt wurde. Nach der Wahl ist vor der Wahl: Die kleinen Seitenhiebe der beiden Kontrahenten ließen Wahlkampfstimmung aufkommen. Aufschlussreich beim Vortrag von Zeisberger waren vor allem die Anekdoten am Rande – wie es dazu kam, dass er eine Nachricht für TSG verschickte oder dass Wer-kennt-Wen eine Maximalgrenze von 5.000 nur 4.000 Freunden hat und nun 1.500 Wannabe-Friends auf Thorsten Schäfer-Gümbels Gunst warten müssen.

Die „Elefanten-Session“ am Sonntag vereinte als Promi-Veranstaltung die Wahlkampfmanager der Parteien – Halina Wawzyniak (DIE LINKE), Kajo Wasserhövel /SPD), Robert Heinrich (Bündnis90/ Grüne), Stefan Hennewig (CDU) und Thomas Scheffler (FDP) – sowie den allseits bekannten Politikblogger Markus Beckedahl von netzpolitik.org. Patrick Brauckmann kristallisierte treffend das (auch nicht besonders neue) Fazit heraus, dass die Bedeutung des Online-Engagements im Wahlkampf erkannt wurde, Web 2.0-Instrumente auch für die interne Parteienkommunikation extrem sinnvoll sind und jeder Politiker selbst entscheiden muss, welche Kanäle zu ihm passen, und welche er sinnvoll und regelmäßig bespielen kann. Die große Herausforderung besteht darin, bei relativ knapp bemessenem Budget Offline- und Onlinemaßnahmen zu verknüpfen, um den Wähler letztendlich an die Urne zu geleiten.

Grundsätzlich war bei den Vorträgen oft wenig bahnbrechendes Neues dabei, teilweise überwog auch die Selbstdarstellung den tatsächlichen Informationsgehalt. Stefanie Sifft zog in ihrem Vortrag und in einem Beitrag bei Netzpolitik das Resümee, dass die Netzgemeinde immer noch sehr selbstbezogen und elitär diskutiere und fordert allgemeinverständliche Einmischungen und Engagement im realen (Politik-)Geschehen. Auf diesem Weg war das Politcamp, als Forum für Netz-, Politikinteressierte und Politiker, sicher ein richtiger und wichtiger Schritt – gerade die Zwischenräume zwischen den Sessions boten die Möglichkeit, Netzwerke verschiedener Akteure zu erzeugen. Wer weitere Erkenntnisse aus den Sessions ziehen konnte, möge diese doch bitte als Ergänzung in den Kommentaren posten!

Regeln vs. Regelbruch

Eine starke Nachfrage gab es (neben den Reizwörtern „Obama“, „Twitter“ und „Authentizität“) auch in Bezug auf Regeln und Guidelines für das Internet, da besonders Politiker Angst haben, falsch zu agieren. Auch hier gilt wieder: Nur wer die Regeln kennt, kann ebendiese brechen. Der Regelbruch erscheint dann aber wiederum als Königsdisziplin, und trennt die, die etwas tun, weil sie sich gerne experimentelle Wege eröffnen, von denen, die etwas korrekt absolvieren, weil es alle tun. Was wiederum dafür spricht, dass sich Web 2.0 und Politik 2.0 – zumindest von Seiten der Politiker – immer noch in einer Testversion befinden. Wir sind gespannt, wie es weitergeht.

Wahlkampfarena beim Politcamp 09

Beim Berliner Politcamp09  am 02. und 03. Mai werden gerade im Hinblick auf das Wahljahr 2009 aktuelle Fragen und Themenkomplexe wie Internet & Politik, Partizipation, politische Projekte etc. adressiert und diskutiert. Fast 600 Internetexperten, Wissenschaftler, Politiker, Journalisten und Onliner haben sich bisher angemeldet; 34 Themen von Jugend & Politik, Bürgerbeteiligung bis zu konkreten Projekten wie waehlr.de wurden bisher vorgeschlagen, für die Teilnehmer durch ihre Stimmenabgabe jetzt schon Interesse signalisieren können. Die endgültige Festlegung der Programmpunkte erfolgt dann am Samstag um 10.00 Uhr.

Auch Wildcard  ist beim Politcamp dabei und wird – bei genügend Interesse – Hintergrund und Funktionsweise der Wahlkampfarena, unserer politischen Debattierplattform, vorstellen, die gerade in den letzten Zügen programmiert wird, sowie über die Möglichkeit einer tatsächlichen Diskussion und inhaltlichen Auseinandersetzung zwischen Politikern und Bürgern diskutieren: 

Policamp

Ob wir ein Zeitfenster für die Vorstellung der WKA erhalten oder nicht: Wir freuen uns auf spannende Vorträge/Diskussionen und auch auf Gespräche abseits des offiziellen Policamp-Programms. Falls Ihr Fragen zum Projekt Wahlkampfarena habt, sprecht uns einfach an!

Medientage_Chemnitz

Die Wahlkampfarena auf der re:publica

Am morgigen Donnerstag werden wir auf der re:publica anwesend sein und unser Projekt „Wahlkampfarena“ zum ersten Mal der Öffentlichkeit vorstellen.

18 Uhr, Kalkscheune Berlin

Wer auf der diesjährigen Veranstaltung unter dem Motto „Shift happens“ dabei ist, kann sehr gern bei uns vorbeischauen. Ansonsten werden wir auch vom Vortrag twittern und nachträglich an dieser Stelle darüber berichten.

Nachschlag:

Das mit dem Twittern haben wir nicht ganz geschafft, das mit dem Bericht hat das Blog Literatenmelu so schön gemacht, dass wir einfach dorthin verlinken. Danke!

Anja

Amerikanische Verhältnisse in Deutschland?

Zumindest für das in letzter Zeit häufig so schön betitelte „Superwahljahr 2009“ gilt diese Aussage ganz bestimmt. Der US-Wahlkampf 2008 hat es vorgemacht: um neue Wähler zu gewinnen, reichen nicht mehr nur ausgetrocknete Wahlkampfveranstaltungen in Buxtehude. Die Strategien für den Wahlkampf weiten sich auch in Deutschland auf das Internet als neues Leitmedium aus. Doch lassen sich innovative Mittel à la Barack Obama so einfach auf die deutsche Politik anwenden?

DFPK

Das 5. Düsseldorfer Forum Politische Kommunikation (DFPK) fragt nach und hat für den 3. – 5. April 2009 zahlreiche Experten aus Politik, Wissenschaft und der Medienbranche eingeladen, um auf der Fachtagung über dieses Thema zu diskutieren. Unter den Gästen der Podiumsdiskussion im Palais Wittgenstein, die den Auftakt zur Veranstaltung gibt, finden sich u. a. Hans-Jürgen Beerfeltz (Bundesgeschäftsführer der FDP), Norbert Robers von der WAZ und Prof. Dr. Barbara Pfetsch von der FU Berlin.

Nicht nur Experten, sondern auch solche, die es einmal werden wollen, bekommen auf dem DFPK ihre Chance: Nachwuchswissenschaftler und Studenten aus der Politik- und der Kommunikationswissenschaft werden sich mit ihren wissenschaftlichen Arbeiten und Projekten im Rahmen einer Tagung dem fachkundigen Publikum stellen.

Das DFPK wird als Plattform wissenschaftlicher Forschung von den Studierenden des Sozialwissenschaftlichen Instituts der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf organisiert. Das „Call for Paper“ ist leider schon abgelaufen. Wer sich für das Thema Politische Kommunikation im deutschen Wahljahr 2009 interessiert, kann jedoch sowohl bei der Podiumsdiskussion als auch bei der sich anschließenden Tagung dabei sein.

Informationen zum 5. Düsseldorfer Forum Politische Kommunikation unter www.dfpk.de

Anja